Bio-Zucker für alle Bienenvölker

Jeder Imker hat die Möglichkeit, zu weniger Pflanzenschutz und damit für eine bienenfreundlichere Landwirtschaft beizutragen.

Fütterung der Bienen für den Winter Fütterung der Bienen für den Winter Fütterung der Bienen für den Winter
© Peter Frühwirth
Jeder Imker hat die Möglichkeit, zu weniger Pflanzenschutz und damit für eine bienenfreundlichere Landwirtschaft beizutragen. Mit dem Kauf von österreichischem Bio-Zucker als Bienenfutter hat die Imkerei ein sehr starkes Instrument in der Hand. Mit rund 330.000 Bienenvölkern können die Imkerinnen und Imker wirklich etwas bewegen und vor allem der Landwirtschaft und verarbeitenden Industrie zeigen, dass sie es ernst meinen mit ihren Forderungen nach weniger Pflanzenschutz. Zumindest am Beispiel Zuckerrübe.

Die Vollversion mit Zahlen und den Datengrundlagen finden Sie unten als Download.

So könnte es heißen:

Der Imkereisektor bekennt sich zu seiner Forderung nach Reduktion von Pestiziden in der Landwirtschaft! Die Imker tragen selbst aktiv dazu bei und füttern die Bienenvölker nur mehr mit pestizidfreiem Futter..

Bio-Zucker für alle Bienenvölker!
 

Das liebe Geld

„Bio-Zucker für alle Bienen“ hat natürlich finanzielle Konsequenzen. Bio-Zucker ist wesentlich teurer. Letztlich wird es wohl eine Frage der Mehrkosten sein, ob nicht die Kostenkalkulation im Imkereibetrieb einer konsequenten Umsetzung der imkerlichen Forderung nach Pestizidreduktion im Wege steht.
In diesem Fall muss sich der Imkereisektor eingestehen, dass er im Fall des Bienenfutters (Zucker) sehr wohl auch von den günstigeren Produkten des konventionellen Zuckerrübenanbaues profitiert.
Das Verbot der Neonicotinoide auch im Zuckerrübensaatgut wurde vom Imkereisektor begrüßt.
Es ist davon auszugehen, dass auch in Zukunft Zuckerrübe angebaut werden wird. Und die Schädlinge der Zuckerrübe werden weiterhin Probleme bereiten. Erdfloh, Moosknopfkäfer und Blattläuse sind in Oberösterreich nach wie vor da und werden den Rübenpflanzen zusetzen.

Die Frage ist nur, was sind die Alternativen?

Der Pflanzenschutz in der Zuckerrübe wird künftig mit meist bienengefährlichen Mitteln (Wirkstoffe aus den Gruppen Pyrethroide und organische Phosphorinsektizide) durchgeführt werden. Wegen der Kurzlebigkeit der Wirkstoffe sind mehrmalige Anwendungen notwendig. Mit allen Gefahren der Abdrift, der Thermik und der Aufnahme über Regenwasser.
Zudem stehen aus der Gruppe der Pyrethroide nur wenige Wirkstoffe zur Verfügung, sodass ein Wechsel zwischen Wirkstoffen nur sehr begrenzt möglich ist und die Gefahr der Bildung von Resistenzen steigen wird. Ebenso besteht nun die Befürchtung, dass durch das Bekämpfen der Erdflöhe die Probleme mit den Blattläusen größer werden, weil auch die Nützlinge bekämpft werden, wenn es ab 2019 keine Neonicotinoide mehr in der Rübenpille geben wird.
Das Gefahrenpotential für unsere Honigbienen ist damit wesentlich höher als bisher. Das wurde – vielleicht in Unkenntnis der Sachlage – vom Imkereisektor übersehen oder ignoriert, weil man im herrschenden medialen und gesellschaftlichen Anti-Pflanzenschutz-Mainstream keine Chance für differenzierte Entscheidungsfindung gesehen hat.
Nun, sei es wie es sei. Das Verbot, auch in der Rübe, ist ab 2019 eine Tatsache. Und die Imker werden künftig ihren Bienen einen Zucker füttern, der mit weitaus mehr Risiko für die Bienen produziert wurde als bisher.

Nachdenklicher Nachsatz

„Bio-Zucker für alle Bienen" wird wohl nicht umzusetzen sein. Oder?
Forderungen, die andere zu erfüllen haben, sind schnell gestellt. Noch dazu medial so attraktive wie „weniger Pestizide in der Landwirtschaft". Im Grunde genommen nur allzu menschlich. Weil sehr einfach.

Aber ist das ehrlich?

Glaubt der Imkereisektor wirklich, damit in der oft hart geführten Pestizid-Diskussion ernst genommen zu werden?

Die Imker haben es jederzeit in der Hand, ihren Forderungen einen massiven Nachdruck zu verleihen, indem sie selbst aktiv werden, sich unmittelbar in ihren eigenen Betrieben dafür engagieren und bereit sind auch finanzielle Leistungen zu erbringen.

Den anderen Lasten aufzubürden, ohne selbst bereit zu sein daran mitzutragen, das wird für eine ehrliche Diskussion zu wenig sein. Oder, um abschließend HEINRICH HEINE zu zitieren: „Ich weiß, sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser".