Eine Frage der Bienen-Dichte

Die Honigbiene ist in Mitten der Gesellschaft angekommen. Viele wollen selbst ein Bienenvolk haben. Um sich und der Natur was Gutes zu tun. Das kann zu Problemen mit der Bienengesundheit führen.

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© Peter Frühwirth
Seit Auftreten der Varroamilbe mit der 80er-Jahre wurde der Verflug der Bienen zwischen den Völkern jedoch wieder zum Problem. Die sich verfliegenden Bienen verschleppen auch die Varroamilben mit. Kranke Bienen verlassen das Volk und gehen im Freien zu Grunde, was im ursprünglichen Sinn der Selbstheilung des Volkes dient. Unsere Europäische Honigbiene hatte jedoch im Zuge ihrer Evolution nie mit der Varroamilbe zu tun. Der Nestfluchtreflex (Absconding) wird trotzdem ausgelöst. Das führt letztlich dazu, dass stark mit Varroa befallene Völker durch das Abfliegen ihrer mit Milben beladenen Bienen die anderen noch „gesunden" Völker über mehr oder minder lange Zeiträume (Wochen) mit Milben „fluten". Es kommt zu einer Art Schneeballeffekt: Ausgehend von einzelnen, knapp vor dem Zusammenbruch (Absterben) stehenden Völkern, können ganze Bienenstände „kippen" und an einem zu hohen Varroabesatz eingehen.
In den letzten Jahren zeigt sich, dass zunehmend verschiedene Bienenviren zum Problem werden. Vor allem das Akute Bienenparalysevirus (ABPV) und das Deformierte Flügel Virus (DWV). . Der Chitinpanzer der Biene und die Auskleidung des Verdauungstraktes sind natürliche Sperren. Die Varroamilbe durchsticht bei ihrer Saugtätigkeit diese Sperre und verschafft den Viren erstmals direkt Zugang zur Hämolymphe der Biene. Die Varroamilben sind damit zu einem Vektor für die Viren geworden, die das (Über)Leben der Bienenvölker mehr bedroht als die Milben selbst.
Versuchsergebnisse, die im Rahmen einer Tagung an der Universität Hohenheim Anfang März 2019 vorgestellt wurden, zeigen, dass die Milbenübertragung zwischen den Völkern und auch zwischen Bienenständen noch wesentlich höher ist, als bisher angenommen. Der Milbenaustausch konnte bis zu 7 km Entfernung nachgewiesen werden. Bis zu 1,5 km ist die Milbenübertragung nicht von der Entfernung zwischen Spendervölkern und Empfängervölkern abhängig!
). In Gebieten mit hoher Bienen-Dichte stieg in diesem Zeitraum der Varroabefall um das mehr als 25-fache; bei niedriger Bienen-Dichte nur um das 3,5-fache.
Aus all diesen Erkenntnissen geht klar hervor: Eine hohe Bienen-Dichte, weitgehend unabhängig von der Größe eines Bienenstandes, fördert massiv den Anstieg der Varroapopulation und zwar exponentiell. Und damit auch den Befall mit gefährlichen Viren wie DWV und ABPV, die zunehmend für Völkerverluste verantwortlich werden.
Die Öffnung von Wohngebieten für die Bienenhaltung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bienen-Dichte erhöhen und vermutlich auch einer Kleinstbienenhaltung Vorschub leisten, die oft nur unzureichend mit dem heute notwendigen umfangreichen Fachwissen unterlegt ist.
Man muss ganz klar unterscheiden zwischen dem individuellen Wunsch, seinen Bienen möglichst nahe zu sein und ihnen zuschauen zu können und dem öffentlichen Interesse an der Gesunderhaltung des Bienenbestandes in einer Region und den fachlichen Rahmenbedingungen dafür. Dazu zählen neben den fachlichen Fähigkeiten des Bienenhalters und die entsprechende Betriebsweise, nachgewiesenermaßen auch die Bienen-Dichte in einer Region.
Das öffentliche Interesse, eine hohe Bienen-Dichte nicht zusätzlich zu fördern, ist sicher höher einzustufen, als dem individuellen Bedürfnis, die Bienen in seiner unmittelbaren Nähe zu halten.

Zusammenfassend zu Bienenhaltung im Wohngebiet

  • Die Erlaubnis der Haltung von Bienen im Wohngebiet wird längerfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bienen-Dichte erhöhen. Dies erschwert die Gesunderhaltung des Bienenbestandes (Varroa- und Virenproblematik).
  • Das öffentliche Interesse, eine hohe Bienen-Dichte nicht zusätzlich zu fördern, ist sicher höher einzustufen, als dem individuellen Bedürfnis, die Bienen in seiner unmittelbaren Nähe zu halten.
  • Begründet im arttypischen Verhalten der Honigbiene ist mit einer verstärkten Haltung von Bienen in Wohngebieten auch mit einer Zunahme von zwischennachbarlichen Konflikten zu rechnen.
Die ausführliche Vollversion des Beitrages "Eine Frage der Bienen-Dichte" finden Sie unten als Download.
Inhalt:
1. Einleitung
2. Die Honigbiene als Tier
3. Die Honigbiene und der Mensch
4. Bienengesundheit und Bienen-Dichte
5. Die Honigbiene im Wohngebiet
6. Das Wissen um die Honigbiene