Goldrute und Springkraut - Lebensquelle vom Sommer bis in den Herbst

Viele Insekten stärken sich an diesen schönen Blütenpflanzen für die lange Winterzeit.

Sie haben keinen guten Ruf, die Kanadische Goldrute und das Indische Springkraut, in manchen Naturschutzkreisen. Sie werden als Neophyten bezeichnet. So nennt man Pflanzn, die nach der Entdeckung Amerikas sich in unseren Breiten etabliert haben. Manchmal werden sie sogar mit messianischem Eifer ausgerissen, weil man ihnen nachsagt, sie verdrängen die heimische Flora. Manchmal mag das auch so sein, aber in den meisten Fällen ist ein dominantes Auftreten nur von kurzer Dauer. Je nach Lage, Boden und Vegetation bildet das Indische Springkraut (auch Drüsiges Spingkraut genannt) nur ein Jahr einen dichten Bestand, manchmal kann dieser auch 3 bis 4 Jahre andauern.
Auf nährstoffreichen und gut mit Wasser versorgen Böden (vor allem im Sommer) wird das Springkraut schon nach wenigen Jahren durch Brennesseln und nachfolgend meist durch Holunder, Faulbaum und andere Gehölze wie Traubenkirsche zurückgedrängt.
Die Kanadische Goldrute braucht große freie Flächen und erst nach mehreren Jahren kann sie dort dichtere Bestände bilden. Diese kann sie dann mehrere Jahre behaupten, bis sie schließlich durch Holunder, Faulbaum und eventuell angepflanzte Pappeln verdrängt wird, gegen die selbst die unterirdischen Ausläufer kaum etwas ausrichten können.
Beide Arten können sich dann nur mehr in den Randbereichen halten, wo es noch ausreichend Licht hat.

Machen wir folgend einen Blick hinaus aus dem Mühlviertel in die Donau Auen bei Eferding, wo beide Arten - Goldrute und Springkraut - für viele Insektenarten, und nicht nur für die Honigbiene, eine wahre Bereicherung sind.

Auge und Herz erfreut den Wanderer

Sommeraspekt in der Donau Au Sommeraspekt in der Donau Au Sommeraspekt in der Donau Au
© Peter Frühwirth
Rote und gelbe Blüten begleiten von Mitte Juli bis Ende September den Wanderer bei seinen Streifzügen durch die Donau Auen bei Eferding. Zu einer Zeit, in der sonst kaum noch etwas blüht, das Getreide abreift oder schon geerntet ist und der Mais auf den Äckern am Rande der Auen sattgrün den Blick in die Weite verwehrt.
Die großen hell- bis dunkelroten Blüten des Springkrautes und das leuchtende Gelb der vielen kleinen Blütenkörbchen auf den weit ausladenden Rispenzweigen der Goldrute laden ein zum Innehalten.
Bei schönem Wetter liegt ein deutliches Summen in der Luft. Schwebfliegen, Käfer, Hummeln, Wildbienen und Honigbienen lassen sich bei ihrem Sammeleifer zuschauen.

Nicht nur die Bienen freut´s

Drüsiges Springkraut mit Pollenbiene Drüsiges Springkraut mit Pollenbiene Drüsiges Springkraut mit Pollenbiene
© Peter Frühwirth
Wenn Mitte Juli die ersten grau-eingestäubten Bienen sich an den Fluglöchern der Bienenstöcke zeigen, weiß der Imker: Das Springkraut beginnt zu blühen. Ein gutes Zeichen. Denn jetzt wachsen in den Bienenvölkern die Winterbienen heran, die dem Volk das Überleben der langen kalten Jahreszeit ermöglichen. Sind sie gut ernährt, vor allem mit Pollen, dann stehen die Chancen gut.
Ausreichend Pollen und Nektar im Juli und August sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger sind diese beiden, oft verteufelten, Neophyten für eine gute Überwinterung von Insekten. Und zwar nicht nur der Honigbienen. Gerade auch Hummeln und Wespen, bei denen nur die Königinnen den Winter überstehen müssen, um das Überleben zu sichern, profitieren vom Indischen Springkraut und der Kanadischen Goldrute.
Bei kühlem und leicht regnerischem Wetter in den ersten Oktobertagen, wenn sonst kaum etwas fliegt, kann man auf den letzten Blüten des Springkrautes größere Exemplare von Wespen beobachten. Es sind die Königinnen, die die letzten Nektarquellen suchen, um sich mit dem Zucker für den Winter fit zu machen. Sie fallen durch ihre graue Farbe auf, weil sich der Pollen der Springkrautblüten am Brustkorb anheftet.

Bei der Kanadischen Goldrute geht es einfacher

Kanadische Goldrute mit Pollenbiene Kanadische Goldrute mit Pollenbiene Kanadische Goldrute mit Pollenbiene
© Peter Frühwirth
Je nach Region und Höhenlage blüht die Goldrute quasi "mitten" in der Springkrautzeit. Ihre unzähligen Blüten sind für Insekten einfach zu erreichen, Nektar und Pollen werden offen angeboten. Neben den Honigbienen sind vor allem Käfer, Fliegen und Schwebfliegen dafür dankbar.
Kanadische Goldrute mit Schwebfliege Kanadische Goldrute mit Schwebfliege Kanadische Goldrute mit Schwebfliege
© Peter Frühwirth
Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) auf Kanadischer Goldrute.
Goldglänzender Rosenkäfer auf Kanadischer Goldrute Goldglänzender Rosenkäfer auf Kanadischer Goldrute Goldglänzender Rosenkäfer auf Kanadischer Goldrute
© Peter Frühwirth
Goldglänzender Rosenkäfer (Cetonia aurata) auf Kanadischer Goldrute.

Nachschau zwischen Springkraut und Goldrute

Es lohnt sich, zwischen Springkraut und Goldrute nachzuschauen. Dem Insektenfreund und Botaniker erwarten interessante Begegnungen, zumal wenn er mit dem Fotoapparat unterwegs ist.

Die Kohldistel behauptet sich

Kohldistel mit Biene Kohldistel mit Biene Kohldistel mit Biene
© Peter Frühwirth
Auf sehr feuchten bis nassen Standorten kann sich die Kohldistel behaupten, auch bei starker Konkurrenz durch Goldrute und Springkraut. Mitte August ist ihre Hauptblütezeit in den Donau Auen eigentlich schon vorbei. Trotzdem ist ihr Nektar so attraktiv, dass sie inmitten des anderen Blütenangebotes von Hummeln und Honigbienen gesucht und gefunden wird.
Kohldistel mit Gartenhummel Kohldistel mit Gartenhummel Kohldistel mit Gartenhummel
© Peter Frühwirth
Auf einer Kohldistel sammelt die Ackerhummel (Bombus pascuorum) den letzten Nektar.
Gartenhummel auf Klebrigem Salbei Gartenhummel auf Klebrigem Salbei Gartenhummel auf Klebrigem Salbei
© Peter Frühwirth
Im Halbschatten von Goldrute und Springkraut blüht Mitte August der Klebrige Salbei (Salvia glutinosa). Seine gelben Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt, aber auch Honigbienen besuchen sie. Hier zwängt sich die Ackerhummel (Bombus pascuorum) in den Blütenkelch.
Streifenwanze auf Bärenklau Fruchtstand Streifenwanze auf Bärenklau Fruchtstand Streifenwanze auf Bärenklau Fruchtstand
© Peter Frühwirth
Die Streifenwanze (Graphosoma italicum) mit ihrer auffälligen Warnfärbung macht hier Rast auf dem Fruchtstand des Bärenklaus. Sie kommt im gesamten Mittelmeerraum vor und hat sich in den letzten Jahrzehnten stark nach Norden ausgebreitet. In Österreich ist sie heute weit verbreitet, aber nur lokal häufig.