Mocap 15G: Anmerkung zur Meldung der Grünen NÖ und zur AIZ-Meldung der LK Niederösterreich

Bei allen Schwierigkeiten wird nur sachliche und fachlich richtige Argumentation den Bienen helfen und die Imkerei weiterbringen.

Die Bienen als Spielball der Politik

Biene auf Löwenzahn Biene auf Löwenzahn Biene auf Löwenzahn
© Die Hochland Imker
Es ist gut, wenn sich die Politik der Bedeutung der Bienen bewusst wird. Wir Imker freuen uns, wenn die Politik Maßnahmen setzt und Entwicklungen einleitet, die das Leben und Überleben von Bienen und Wildbienen fördert.
Wir reagieren jedoch sehr skeptisch und sind in hohem Maße irritiert, wenn die Bienen offensichtlich für die mediale Präsenz von politischen Parteien herhalten müssen. Oder wenn die Bienen unter dem Motto "Rettet die Bienen" den Umwelt-NGO´s als Mittel zum Zweck dienen, um sich im Bewusstsein der Öffentlichkeit präsent zu halten und das Spendenaufkommen zu optimieren.
Die "Biene wird dem Erdäpfel geopfert" - medial zieht das echt rein und weckt Entsetzen beim unbedarften Leser. Fachlich ist das schlicht falsch. Aber wen interessieren schon die Details? Das Pflanzenschutzmittel Mocap 15G, um das es hier geht, ist zwar als hoch bienengefährlich eingestuft, die Bienen kommen damit aber nicht in Kontakt, weil es als Granulat in den Boden zu den Knollen abgelegt wird. Die Erwerbsimker haben nie gesagt, dass durch diese Anwendung die Bienen gefährdet sind. Es ging darum, dass ein altes Bodendesinfektionsmittel, dass wegen seiner Giftigkeit gegenüber den Bodenlebewesen wie den Regenwurm vom Markt ausgeschlossen wurde, wieder zugelassen wurde. Wenn auch nur befristet. Und man sich scheinbar nicht die Frage gestellt hat, wie die Speise-Industriekartoffelproduktion in Deutschland mit dem Problem Drahtwurm zurande kommt. Den meisten Imkern ist das Problem und das Dilemma der Landwirte durchaus bewusst und in einem Beitrag der Erwerbsimker auf deren Homepage wurde das auch klar gesagt. Kritisert wurde dort auch das Diktat der Abnehmer. Hingewiesen wurde ebenso auf die ökologischen Folgen (Bodenlebewesen) und die Frage der Verwertung der Schälabfälle.
Die Bienen dürfen nicht zum medialen Aufhänger für die Umweltpositionierung von politischen Parteien werden. Allzuleicht wird da fachlich falsch argumentiert, wenn´s ins Konzept passt. Mocap 15 G, Glyphosat und Neonicotinoide gemeinsam in den Bienenschädigungstopf zu werfen, ist schlicht falsch. Auch wenn es der Umweltschutzprofilierung dienen soll. Der Wirkstoff von Mocap ist zwar bienengefährlich, die Bienen kommen bei richtiger Anwendung aber nicht in Kontakt damit (Mocap 15 G bedeutet daher NICHT tote Bienen). Glyphosat ist nicht bienengefährlich, kann aber in Bienenprodukten zum Problem werden, wenn es in blühenden Kulturen eingesetzt wird. Neonicotinoide sind von bienengefährlich bis bienenungefährlich eingestuft, je nach Art des Wirkstoffes.
Aktionismus und Petitionen in Ehren und offensichtlich kommt man in der Politik nicht ohne damit aus. Petitionen suggerieren Bürgernähe und Bürgerbeteiligung. Aber bitte ohne Bienen als emotionalem Aufhänger. Noch dazu wenn - wie im konkreten Fall Mocap - mit Halbwahrheiten argumentiert wird. Der Wirkstoff von Mocap ist zwar bienengefährlich, tötet aber in der zugelassenen Anwendung in Erdäpfel bei korrekter Anwendung keine Bienen.

Die politischen Meldungen der letzten Tage drängen zum Schluss: Entweder fehlt das fachliche Wissen für eine korrekte Information, oder man informiert wider besserem Wissen, um politisches Kapital zu schlagen.
Eines ist jedenfalls klar: Biene wude damit keine einzige gerettet.

Eigentor der Landwirtschaftskammer

In der über das AIZ (Agrarische Informationszentrum) veröffentlichte Meldung "Notfallzulassung von Mocap 15G sichert heimische Erdäpfelproduktion" fordert die LK Niederösterreich eine faktenorientierte Diskussion. Darin argumentiert sie auch grundsätzlich fachlich richtig und nachvollziehbar.
Mit dem absolut entbehrlichen und fachlich falschen Satz "Im Übrigen ist Mocap 15G kein giftiges Pflanzenschutzmittel" hat sie sich jedoch ein gewaltiges Eigentor geschossen. Alles andere davor und danach Gesagte verblasst und wird nicht mehr wahrgenommen. Ein gefundenes Fressen für alle Kritiker der Landwirtschaft und ihrer Interessensvertretung.
Diese Aussage schwächt in der ohnehin schwierigen Diskussion die Position der Landwirtschaftskammer, die ja auch die Interessenvertretung der Erwerbsimkerei ist. Die Erwerbsimker sind Mitglieder der Landwirtschaftskammer. Auch wenn sie gerade beim Thema Pflanzenschutz oft unterschiedlicher Meinung sind, so brauchen sie doch eine gesamtlandwirtschaftliche Interessensvertretung deren fachliche Kompetenz außer Streit steht, speziell wenn es darum geht, im Ackerbau neue bienenfreundliche Konzepte umzusetzen, die sowohl den Bienen helfen, als auch für die Landwirte attraktiv sind.

Den Bienen helfen durch politische Initiativen auf lokaler Ebene

Der Politik bietet sich ein weites Betätigungsfeld und eine breite Palette an Themen, wenn es um die Förderung und den Schutz von Honigbienen und anderen blütenbestäubenden Insekten geht. Wenn es ihnen denn wirklich ernst sein sollte mit dem Schutz der Bienen. Vor allem geht es um die Verbesserung der Nahrungsgrundlagen, also um die möglichst vielseitige Pollen- und Nektarversorgung das ganze Jahr über. Also auch in den Monaten Juni bis September. Da ist nicht nur die Landwirtschaft ein Ansprechpartner, sondern ganz besonders auch Gewerbebetriebe mit ihren oft großflächigen Grünflächen. Ebenso wie "öffentliche Grünflächen", die von den Kommunen und von den Straßenverwaltungen bewirtschaftet werden. Der Siegeszug der Rasenmähertraktoren und zuletzt der Mähroboter auf den privaten Grünflächen war das Schlimmste, was den Bienen und Wildbienen passieren konnte. Da hat nicht einmal mehr der Weißklee eine Chance.
Rettet die Bienen heiißt: Lokal denken und lokal handeln. Wer kann das besser als die lokalen Politikerinnen und Politiker in den Gemeinderäten? Sie haben den direkten Kontakt zu den Menschen, sie haben die Möglichkeit, Ideen einzubringen und vor allem: Sie haben Macht und Möglichkeit die Ideen auch umzusetzen!
Beispiele für lokales Handeln von Politikerinnen und Politikern zur Förderung der Bienen wären:
  • Thematisieren von "totem Grün" durch Mähroboter und Thujenhecken.
  • Förderung der Pflanzung von sommerblühenden Bäumen wie Linden.
  • Wildblumenwiesen auf Gemeindegrund.
  • Meinungsbildung für Wildblumenwiesen auf Gewerbeflächen.
  • Kooperation mit der Straßenmeisterei zur bienenfreundlichen Bepflanzung im Gemeindegebiet und zu späteren Mähterminen, dort wo es die Verkehrssicherheit erlaubt.
  • Motivation zu und Unterstützung von Blühflächenprojekten von Imkervereinen, Siedlervereinen, Jägern, Landwirten und Verschönerungsvereinen.
  • Meinungsbildung und Information der Bevölkerung über die Notwendigkeit, dass naturnahe und bienenfreundliche Flächen zu manchen Zeiten des Jahres auch mal "verwildert" ausschauen müssen.
Das hilft den Bienen wirklich. Das sind wirkliche Bienen-Themen für die Landesparteien. Das Hinschlagen auf die Landwirtschaft bringt die Bienen nicht weiter. So einfach darf man es sich nicht machen. Das Schaffen von Feindbildern ist etwas für einfache Gemüter.

Thema: Biologischer Ackerbau

In der weiteren Forcierung des biologischen Ackerbaues und vor allem in öffentlichen Meinungsbildung für den Konsum von biologisch erzeugten Produkten (inkl. Fleisch!) gibt es sicher auch noch Handlungsbedarf. Jedes Hektar weniger Einsatz von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden bringt den Bienen und Wildbienen ein Stück mehr an Vitalität. Und unseren Bienenprodukten ein Plus an innerer Qualität.

Notfallzulassung BAES

Die Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau NÖ. hat beim BAES einen Antrag auf Notfallzulassung des Pflanzenschutzmittels Mocap 15G gegen Drahtwurm eingebracht. Aufgrund der festgelegten Verfahrensregeln hat das BAES zu prüfen und eine Entscheidung zu treffen. Das wurde auch mit dem bekannten Ergebnis so vollzogen.
Das ist zu akzeptieren. Je nach persönlichem Standpunkt und betrieblicher Betroffenheit kann man das gutheißen oder auch nicht.
Wünschenswert ist es, wenn sich der Imkereisektor mit seiner Sichtweise und seiner Expertise zu den, die Bienen betreffenden, Entscheidungsprozessen bei den Zulassungsverfahren einbringen kann. Natürlich ist es klar, dass die Imker keine Parteienstellung im Verfahren haben und auf den guten Willen der Behörde angewiesen sind.
Aber die Imker wissen es zu schätzen, wenn sie gehört werden, weil sie überzeugt sind, mit ihren Stellungnahmen zu einer umfassenderen Abwägung beitragen zu können.

Schlussbemerkung

In dieser sensiblen Angelegenheit merke ich ausdrücklich an, dass dieser Beitrag ausschließlich meine persönliche Meinung wiederspiegelt.