Wiesen sind keine Kulturpflanzen, oder?

Anmerkungen zur Aufklärung eines offensichtlichen Irrtums.

Kuh auf der Weide Kuh auf der Weide Kuh auf der Weide
© Peter Frühwirth
NR Ing. Hermann Schultes sagt in einer aktuellen Presse-Aussendung: "Es gibt in Österreich keine Kulturpflanze, die mit Glyphosat behandelt wird, daher kann es auch keine Rückstände in Lebensmitteln geben".Siehe: Schultes: Keine Kulturpflanze in Österreich wird mit Glyphosat behandelt.

Die Frage ist, was ist Grünland (Wiesen und Weiden und Almen)? Ist das Nicht-Kulturland?

In Österreich spricht man von "landwirtschaftlicher Nutzfläche". Diese besteht aus Acker und Grünland. Das ist auch im österreichischen Bundesrecht so verankert. Und zwar zum Beispiel in der: Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft, Familie und Jugend über die Angabe und Definition der Benützungsarten und Nutzungen im Grenzkataster (Benützungsarten-Nutzungen-Verordnung – BANU – V). In § 2 Absatz 2 lit a steht: „Äcker, Wiesen oder Weiden“ sind Ackerland einschließlich der Grünbrachen, sowie Dauergrasflächen, die gemäht oder beweidet werden und eventuell locker mit Obstbäumen bestockt sind, sofern sie sonst keine Bestockung, Verbuschung oder Waldanflug aufweisen.
Auch in der landwirtschaftlichen Förderung zählt Grünland zu den Feldstückutzungsarten. Siehe Merkblatt der AMA: AMA-Information Nutzungsarten_Codes_Varianten.

Unsere Parlamentarier sollten doch über die Grundzüge der von Ihnen beschlossenen Gesetzesmaterie Bescheid wissen oder sich dazu beraten lassen, bevor sie im Nationalrat ihren Kolleginnen und Kollegen Auskunft geben. Gerade wenn agrarische Vertreter über die Landwirtschaft sprechen.

In Österreich wird Glyphosat LEIDER sehr wohl auf Kulturpflanzen eingesetzt, wie Betroffene leidvoll zur Kenntnis nehmen müssen. Wenn man Grünland gem. Bundesverordnung als Kulturpflanze und Feldfrucht sieht, dann darf und wird Glyphosat dort eingesetzt (wenn auch in seltenen Fällen). So wurde im Juni 2015 Glyphosat in der Bioregion Mühlviertel auf Grünland zum Abtöten der Grasnarbe eingesetzt. Mit der traurigen Konsequenz, dass Glyphosat in Honig nachgewiesen werden konnte. Dieser Fall wurde sogar in der Codexkommission des BMG zur Sprache gebracht. Darin hat auch ein Vertreter der Landwirtschaft einen Sitz. Diese Information sollte damit auch zu NR Ing. Schultes gelangen können.
 

Glyphosat: landwirtschaftliche Anwendung und Imkerei

Im Sinne des Bemühens für eine positive Koexistenz zwischen Bewirtschaftung von Acker und Grünland sowie Imkerei (bei sind ja Landwirtschaft und damit Berufskollegen) sollte die Zulassung von Glyphosat mit speziellen Auflagen ernsthaft diskutiert werden. Aus der Sicht der Imkerei und der Produktion von möglichst rückstandsfreien Bienenprodukten zum Beispiel: Glyphosat darf nicht auf blühende Pflanzen ausgebracht werden.
Das wäre ein Vorschlag für ein Aufeinander-Zugehen.