Zwei Milliarden Blüten?

Das Bienenvolk und seine Leistung in der Nahrungsbeschaffung

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© Treiblmeier
Ein Bienenvolk braucht alleine für den Aufbau seines Volkes während des Jahres runf 70 kg Honig. Und zusätzlich sammelt es noch ca. 30 kg pro Jahr als Wintervorrat, der vom Imker als Honigernte entnommen wird (und durch Zuckerfütterung) ersetzt wird.
Das entspricht 300 kg Nektar, wofür 9 bis 60 Millionen Blüten besucht werden müssen!

Zur Eiweißversorgung sammeln die Bienen pro Jahr 25 bis 30 kg Pollen. Je nach Gewicht der Pollenhöschen, die die Bienen an den Hinterbeinen in den Stock tragen, muss dafür ein Bienenvolk 31 bis 78 Millionen Blüten Besuchen!

Wie jedes Lebewesen brauchen die Bienen auch Wasser und müssen dieses aktiv sammeln und in den Stock bringen. Pro Jahr sammeln die Bienen 20 bis 30 Liter Wasser!

Gewaltige Leistung der Bienen

Ein Bienenvolk benötigt zur Deckung seines Nektar- und Pollenangebotes 35 bis 108 Millionen Blüten!
Da nicht immer alle Blüten Pollen und Nektar in einer Blüte, aber auch nicht völlig getrennt, anbieten, werden hier 50 Prozent der dem Nektar zugerechneten Blüten auch als pollenliefernde Blüten angerechnet.

Für einen Bienenstand mit 20 Bienenvölkern werden 715 Millionen bis 2,2 Milliarden Blüten benötigt!

Rechnet man noch für ein Bienenvolk die 3,3 Millionen Flüge für das Wassersammeln dazu, so erbringen unsere Bienen eine kaum vorstellbare Leistung bei ihrer Nahrungsbeschaffung.

Die Honigbiene ist nicht alleine

Die Honigbienen sind jedoch nicht die einzig Nahrungssuchenden auf den Blüten. Auch andere blütenbesuchende Insekten, vor allem Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge, müssen ihren Energie- und Eiweißbedarf decken können.

Das Blütenangebot muss in der Landschaft daher deutlich höher sein, als es aufgrund der Bienenbedarfsdaten" notwendig erscheint!
 

Landwirtschaft als Partner

Wollen wir künftig den Honigbienen und den anderen blütenabhängigen Insekten wieder eine ausreichende und ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechende Nahrungsgrundlage in der für sie so wichtigen Periode von Juli bis Oktober geben, dann braucht die Imkerei die Landwirtschaft als Partner.

Die Landwirtschaft hat die Flächen und die Technik. Natur und Gesellschaft brauchen ihre Kompetenz.


Den Landwirt als engagierten Partner zu gewinnen, der bereit ist, Blühflächen anzubieten, heißt: Die Anlage von Blühflächen muss zu einem attraktiven Produktionsverfahren werden. Das Entgelt für die Anlage von Blühflächen auf Acker müssen für den Landwirt jedenfalls betriebswirtschaftlich attraktiv sein.

Wenn es wirklich ein gesellschaftliches Anliegen ist, das Blühen wieder in einem wirkungsrelevanten Maße in die Landschaft zu bringen, dann muss Politik und Interessensvertretung alles daransetzen, damit die Landwirtschaft in der Lage ist, das Blühen als Service und Dienstleistung anbieten zu können. Gespräche gerade mit jüngeren Landwirten zeigen immer wieder, dass sie nicht in einem Denken in traditionellen Produktionsstrukturen verhaftet sind. Vielmehr liegt es an den Gremien, die den Handlungsspielraum der Landwirtschaft gestalten, die Voraussetzungen für neue Dienstleistungen zu schaffen.
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